Ein Rollenmodell zu entwerfen und mit genau diesem Entwurf gegen eine bereits getroffene, dokumentierte Entscheidung zu verstoßen, ohne es zu merken – das ist mir beim Ausarbeiten meiner fünften Rolle tatsächlich passiert. Aufgefallen ist der Widerspruch nicht automatisch, sondern erst beim genauen Nachlesen. Genau diese Lücke schließt die Rolle, die aus diesem Vorfall entstanden ist.
Ein Widerspruch, den ich selbst übersehen hatte
Mein Agent Cowork, die vierte Rolle aus dem vorherigen Beitrag dieser Serie, stellt Dokumentationskonsistenz im laufenden Sessionfluss nicht zuverlässig selbst her: Eine Entscheidung wird getroffen und in ein Dokument geschrieben, verwandte Dokumente werden dabei aber nicht immer mitgezogen. Sichtbar wurde genau das ausgerechnet am eigenen Rollenentwurf. Die Idee zu einer neuen, fünften Rolle – dem Kurator selbst – widersprach beim Entwerfen zunächst unbemerkt einer bereits getroffenen Entscheidung: keine eigene Wiki-Ebene-Rolle. Aufgedeckt hat das erst der explizite Abgleich beim Review, nicht ein automatischer Mechanismus.
Kein fünfter gleichrangiger Schritt, sondern ein Unter-Agent
Statt den Kurator als fünften, zu den anderen vier gleichrangigen Prozessschritt einzuordnen, habe ich ihn bewusst als Sub-Agent zum Agent Cowork angelegt. Er setzt ausschließlich im Anschluss an eine abgeschlossene Agent-Cowork-Session an – nicht parallel dazu und nicht an ihrer Stelle. Den Session-Diff, also die Frage, was in der letzten Sitzung überhaupt verändert wurde, löse ich dabei bewusst nicht über neue Infrastruktur, sondern über eine bereits bestehende Spalte in meinem Session-Log: Die dort ohnehin vermerkten, betroffenen Dokumente bilden den Ausgangspunkt der Prüfung.
Drei Stufen statt sofortiger Automatisierung
Die Bauweise habe ich bewusst in drei Stufen geplant, jede folgende erst nach Bewährung der vorherigen:
- Aktueller Stand: eine explizite Ja/Nein-Abfrage am Sessionende – der Agent Cowork fragt aktiv nach, ob der Kurator jetzt starten soll.
- Später: automatische Nachbereitung ohne einzelne Abfrage, sobald sich der Ablauf im Alltag bewährt hat.
- Optional, ausdrücklich ungeklärt: eine mögliche spätere Integration in mein System für unbeaufsichtigten Betrieb – bewusst kein Vorgriff, nur als Gedanke vorgemerkt.
Wo es beim Entwerfen klemmte
Zwei Punkte ließen sich nicht ohne Reibung klären. Der Kurator grenzt sich bewusst eng von der bereits bestehenden, breiteren Wiki-Pflege-Aufgabe des Agent Cowork ab – dessen periodischer Scan über beliebige Wiki-Bereiche bleibt unverändert dort verortet, um keine Doppelrolle entstehen zu lassen. Zusätzlich zeigte sich, dass eine erst kurz zuvor verschärfte Log-Regel (Abfrage vor jedem Eintrag) eine erneute, mehrtägige Lücke in der Protokollierung nicht verhindert hatte. Die Konsequenz: Der Log-Eintrag ist jetzt nicht mehr abfragebasiert, sondern folgt automatisch auf jede Session – ohne diese Verschärfung hätte dem Kurator strukturell die eigene Arbeitsgrundlage gefehlt.
Der erste Testlauf noch am selben Tag
Der Scope blieb bewusst eng: geprüft wird nur die zuletzt abgeschlossene Session, nicht das gesamte Wiki. Beim Korrekturprinzip habe ich dieselbe Regel wie beim Agent-Cowork übernommen – Direktänderung ist der Normalfall, bei einem echten Quellwiderspruch markiert der Kurator stattdessen einen offenen Konflikt, statt eigenmächtig zu überschreiben. Noch am selben Tag kam es zum ersten echten Lauf, manuell von mir gestartet: Der Kurator prüfte den Session-Diff aus dem letzten Lauf des Agent Redakteur und fand sechs kaputte Wikilinks in den Übergabe-Artefakten – verlinkt waren Projektordner-Namen statt der tatsächlichen Notiz-Titel – sowie zwei veraltete Cross-Referenzen. Alle Funde wurden direkt korrigiert. Einen weiteren Fund außerhalb des eigentlichen Session-Scopes, einen leeren Projektordner, hat der Kurator bewusst nur vermerkt und nicht eigenständig korrigiert.
Ergebnis
Aus dem Vier-Rollen-Modell ist damit ein Fünf-Rollen-Modell geworden, mein zentrales Übersichtsdokument zur Zusammenarbeit der Agenten entsprechend ergänzt. Bemerkenswert war dabei weniger die Technik als der Auslöser selbst: Die Rolle, die künftig genau solche Inkonsistenzen aufdecken soll, ist aus einer Inkonsistenz an ihrem eigenen Entwurf entstanden.
Ausblick
Ob sich der Kurator im Alltag tatsächlich bewährt und wann die zweite Ausbaustufe – die automatische Nachbereitung ohne Abfrage – folgt, wird sich erst über mehrere echte Sessions zeigen. Wie sich das erweiterte Rollenmodell insgesamt in der Praxis schlägt, davon handelt einer der nächsten Beiträge dieser Serie.