moritz conjé
Projektmanagement
Kommunikation & Konzeption
T-Shaped Professional

Notizblog

Homelab: Beiträge rund um Aufbau und Betrieb meines eigenen Homelabs:
von Hardware und Netzwerk bis zu selbst gehosteten Diensten und smarter Haussteuerung.
Eigene Lösungen statt fertiger Anbieter, mit allem Basteln und Lernen, das dazugehört.

Eine eigene Statuszeile fürs Terminal: mehr Überblick bei der Arbeit mit Claude Code
Wer täglich mit einer KI im Terminal arbeitet, kennt das Problem: Wie ausgelastet die laufende Sitzung gerade ist, wie nah man an ein Nutzungslimit kommt oder was sie bereits gekostet hat, bleibt normalerweise unsichtbar. Man merkt es meist erst, wen ...
Fähigkeiten ergänzen: passende Skills für die Rollen und Aufgaben finden
Ein KI-Assistent kann schon ohne Erweiterungen erstaunlich viel. Für ein konkretes Projekt reicht „erstaunlich viel" aber selten als Arbeitsweise. Beim Aufbau des Second Brain kamen zuletzt drei sehr unterschiedliche, eigenständige Projekte zusammen: ...
Wie Wissen ins Second Brain kommt: Web-Clipper, YouTube-Transkripte und Bücher
Der letzte Teil dieser Serie endete mit einer offenen Frage: Wie gut ein Redakteur Themen clustern kann, hängt direkt davon ab, was überhaupt an Input hereinkommt – und wie es dort ankommt. Der große Notion-Import hatte den bestehenden Wissensbestand ...
Arbeiten im Second Brain: Claude Remote auf LXC und der Zugriff aufs LLM-Wiki über TrueNAS
Das Rollenmodell aus den letzten Teilen dieser Serie beantwortet, wer im Second Brain mit welchen Rechten arbeitet. Offen blieb bislang eine ganz praktische Frage: Wo findet diese Arbeit eigentlich statt, wenn ich nicht am Schreibtisch-PC sitze? Das ...
Vom Konzept zum ersten echten Testlauf: das Übergabe-Artefakt-Schema in der Praxis
Der Second-Brain-Bibliothekar aus Beitrag 4 darf laut Rollenmodell keine Quellnotizen verändern – nur lesen. Das wirft sofort eine praktische Frage auf: Wie kommen seine Erkenntnisse dann überhaupt irgendwo an? Und wie bleibt nachvollziehbar, wenn de ...
Die fünfte Rolle: wie der Kurator (agt_kur) das Rollenmodell selbst korrigiert
Ein Rollenmodell zu entwerfen und mit genau diesem Entwurf gegen eine bereits getroffene, dokumentierte Entscheidung zu verstoßen, ohne es zu merken – das ist mir beim Ausarbeiten meiner fünften Rolle tatsächlich passiert. Aufgefallen ist der Widersp ...
Vier Rollen für ein Second Brain: wie ich Agenten-Verantwortlichkeiten definiert habe
Irgendwann habe ich nachgezählt: 1.638 Input-Notizen standen nur 36 tatsächlich verarbeiteten Notizen gegenüber – weniger als drei Prozent. Das Sammeln hatte in meinem Second Brain längst funktioniert, das Verarbeiten nicht. Die eigentliche Frage war ...
Wenn das Kanban-Board bricht: Grenzen des Task-Board-Plugins und der Weg zu Bases
Mit dem Prozessmodell stand fest, wie ich über mein Second Brain denken will. Für die tägliche Arbeit brauchte ich aber auch ein Werkzeug, das dieses Denken abbildet – ein Kanban-Board für Projekte und Aufgaben. Genau dort brach mir wenig später eine ...
Vom PARA-Schema zum Prozessmodell: wie mein Second-Brain-Konzept gereift ist
Nach dem Datenimport aus Notion stand die nächste Frage im Raum: Nach welcher Logik sollen die zusammengeführten Daten künftig geordnet werden? Naheliegend war PARA (Projects/Areas/Resources/Archive) / fortelabs.com – das bekannteste Ordnungssystem i ...
Vom Konzept zum ersten echten Testlauf: das Übergabe-Artefakt-Schema in der Praxis

Der Second-Brain-Bibliothekar aus Beitrag 4 darf laut Rollenmodell keine Quellnotizen verändern – nur lesen. Das wirft sofort eine praktische Frage auf: Wie kommen seine Erkenntnisse dann überhaupt irgendwo an? Und wie bleibt nachvollziehbar, wenn derselbe Themencluster über mehrere Läufe hinweg immer wieder auftaucht? Bis zur Antwort brauchte es mehrere Entwurfsrunden – und am Ende einen ersten echten Testlauf über 100 Notizen.

Das Problem: Erkenntnisse ohne Schreibrecht

Ohne Schreibrecht auf die Quellen bleibt dem Bibliothekar nur ein Weg: ein eigenes, separates Ergebnisdokument. Aber ein einzelnes Dokument pro Lauf reicht nicht, wenn Cluster nicht sauber voneinander abgegrenzt sind oder derselbe thematische Zusammenhang bei jedem neuen Lauf wie ein völlig neuer Fund erscheint, obwohl er eigentlich zu einem bereits bekannten Thema gehört.

Ein Schema, das mehrere Runden brauchte

Das Übergabe-Artefakt-Schema ist deshalb nicht am Reißbrett entstanden, sondern iterativ auf einem Canvas gewachsen, in mehreren geprüften und verfeinerten Runden. Zentrale Bausteine am Ende: eine kategorie ("Neues Potenzial" vs. "Ergänzung/Synergie"), ein Reifegrad (Inbox → Seed → Growing → Evergreen) sowie eine Cluster-ID. Die Cluster-ID war dabei die wichtigste Designentscheidung: Sie ist bewusst persistent, wächst über mehrere Läufe hinweg statt bei jedem Lauf neu zu beginnen. Der Gedanke dahinter: Es geht nicht nur darum, Muster vorzugeben, sondern ihnen auch zu erlauben, sich über Zeit weiterzuentwickeln. Aus dem Canvas-Entwurf wurde anschließend eine echte Vorlage plus eigene Datenbank im Vault.

Technische Grenzen unterwegs

Nicht alles ließ sich wie geplant umsetzen. Die Cluster-ID hat keine live nachschlagbare Referenz – aus einer Datenbank-Formel heraus lässt sich in Obsidian derzeit keine Property einer verlinkten Notiz auslesen, bestätigt gegen die offizielle Dokumentation. Auch die Routing-Regel, die festlegt, welche Kategorie an mich direkt geht und welche an den Agenten Cowork, ist bislang nur vorläufig – "erstmal so, und dann sehen, wie das im Alltag funktioniert", mit einem noch terminlosen Review nach etwas praktischer Erprobung. Und wer über die Basis-Einstufung hinaus einen höheren Reifegrad vergeben darf – ich selbst beim Sichten, oder der Second-Brain-Bibliothekar heuristisch beim Verarbeiten –, war mangels ausreichender Praxisdaten schlicht noch nicht zu entscheiden.

Drei echte Testläufe

Trotz dieser offenen Punkte bin ich nicht beim Entwerfen stehen geblieben, sondern habe das Schema dreimal an echten Daten getestet: einmal als Audit der bestehenden Themenfelder-Liste, einmal als Abgleich eines einzelnen Inputs gegen bereits vorhandene eigene Ausarbeitungen, und schließlich als eigentlicher Belastungstest – ein Batch-Lauf über 100 Input-Notizen. Ergebnis dieses dritten Laufs: sieben Übergabe-Artefakte, von einem 32 Quellen starken Cluster zu Obsidian-Tooling bis zu einem einzelnen, aber wertvollen Duplikat-Hinweis. Parallel dazu habe ich die Reifegrad-Baseline "Inbox" rückwirkend auf den gesamten Bestand angewendet – 1.662 von 1.665 Input-Notizen, bewusst ohne Sonderbehandlung der Notizen, die durch den Testlauf bereits mit einem Cluster verknüpft waren.

Ergebnis

Das Rollenmodell aus Beitrag 4 hat sich damit erstmals nicht nur auf dem Papier, sondern an echten Daten bewährt. Ganz abgeschlossen ist das Thema damit aber nicht: Offen bleiben unter anderem eine echte Liste noch unausgereifter Cluster über mehrere Läufe hinweg, die Überprüfung der Routing-Regel nach etwas mehr Praxis, die eigentliche Hochstufungslogik über die Baseline hinaus, ein vollständiger Duplikat-Scan über den gesamten Bestand sowie ein Log, das echte Übergaben zwischen den Rollen nachvollziehbar macht.

Ausblick

Der Testlauf hat vor allem eines gezeigt: Wie gut der Bibliothekar clustern kann, hängt direkt davon ab, was überhaupt an Input hereinkommt – und wie es dort ankommt. Genau darum geht es im nächsten Teil dieser Serie: die verschiedenen Wege, auf denen neues Wissen mein Second Brain überhaupt erreicht.