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Notizblog

Gesellschaft: Beiträge zu den Potenzialen neuer Technologien
und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Alltag.

13. September 2026

KI-Konsolidierungsphase - Vorsicht ist das Gebot der Stunde?

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Am späten Samstagnachmittag des 12. September 2026 veröffentlicht Anthropic-Chef Dario Amodei einen Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier". Seine Botschaft: Die Branche müsse das Entwicklungstempo drosseln, damit die Sicherheitsarbeit mithalten kann. Binnen…
31. August 2026

Der KI-Diskurs der Tech-Größen - Sie warnen und beschleunigen zugleich

in Gesellschaft

von Moritz Conjé & Claude (Co-Autor)

Kaum eine Woche vergeht ohne eine neue Aussage einer prominenten Tech-Führungskraft zu den Risiken künstlicher Intelligenz, gefolgt, oft im selben Atemzug, von einer neuen Rekord-Investitionsrunde in genau diese Technologie. Dieses Muster begegnet mir auch beruflich…
29. August 2025

Michigan baut Drohnen-Testkorridor: M-Air angekündigt

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die zunehmende Verdichtung von Städten und die wachsende Nachfrage nach schnellen Transportlösungen führen dazu, dass auch der Luftraum stärker in den Fokus rückt. Drohnen und elektrische Luftfahrzeuge gelten als ein möglicher Baustein zukünftiger Mobilität –…
29. August 2025

Bloomberg City Data Alliance wächst weiter – Datenkompetenz als Fundament smarter Städte

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Städte im Wandel: Daten als Grundlage moderner Verwaltung Städte weltweit stehen vor zunehmenden Herausforderungen: wachsende Bevölkerungszahlen, Klimawandel, Ressourcenknappheit und steigende Anforderungen an öffentliche Dienstleistungen. Um diese Aufgaben zu bewältigen, wird die Fähigkeit, Daten systematisch zu…
02. Juni 2025

Arbeitszeitmodelle im Wandel – zwischen Flexibilisierung und Leistungsdruck

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

1. Einleitung: Mehr als nur Stunden – Arbeitszeit im Wandel Hand aufs Herz, kaum etwas beeinflusst unser Leben so direkt wie unsere Arbeitszeit. Es geht nicht nur darum, wie viel Geld am Ende des Monats…
28. Mai 2025

Smart Workplaces in Städten – Wie Digitalisierung weiterhin die Arbeitskultur verändert

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die Digitalisierung hat nicht nur unsere Städte, sondern auch unsere Arbeitskultur grundlegend verändert. Mit dem Aufkommen von Smart Workplaces verschmelzen physische und digitale Arbeitswelten, was neue Herausforderungen und Chancen für Unternehmen und Mitarbeitende mit sich…
28. Mai 2025

Bürgerbeteiligung neu gedacht – Das Projekt un:box cologne

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Warum Bürgerbeteiligung heute neu gedacht werden muss Viele Kommunen in Deutschland kennen die Herausforderung: Bürgerbeteiligung wird oftmals als langwieriger, bürokratischer Prozess empfunden. Dabei ist eine effektive Einbindung der Bürger entscheidend für die Akzeptanz und den…
24. Mai 2025

Homo Creator: Der schöpferische Mensch im Spiegel der Technik – Ein persönlicher Blick

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Einleitung: Technik als Ausdruck unseres Selbst Technik ist mehr als nur ein Werkzeug – sie ist der Spiegel unserer eigenen Kreativität und unseres Verständnisses von der Welt. Als „Homo Creator“ begreifen wir den Menschen als…
17. Mai 2025

Kommunalbefragung 2025 – Ergebnisse und Perspektiven

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Kommunalbefragung 2025 – Ergebnisse und Perspektiven Was deutsche Städte wirklich brauchen – Ergebnisse und Perspektiven der Kommunalbefragung 2025 Bis zum 11. April 2025 hatten deutsche Kommunen die Gelegenheit, ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Wünsche im Rahmen…
13. Mai 2025

„Smart City ist digitale Notwehr“ – Rückblick auf den 6. Kongress der Modellprojekte Smart Cities…

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Warum dieser Kongress zählt Am 6. und 7. Mai 2025 trafen sich gut 200 Vertreter-innen aus über 70 deutschen Kommunen im Munich Urban Colab, um darüber zu diskutieren, wie sich die Ergebnisse des Bundes-Förderprogramms „Modellprojekte…
21. Dezember 2024

Smart Cities und Stadtentwicklung: Potenziale von Datahubs und Connected Urban Twins

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die bisherigen Beiträge haben die Grundlagen der Stadtentwicklung sowie die Rolle von Smart Cities im digitalen Zeitalter beleuchtet. Aufbauend auf diesen Konzepten widmen wir uns nun den technischen und strukturellen Elementen, die als Kern der…
21. Dezember 2024

Smart Cities und Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Im vorherigen Beitrag haben wir die Grundlagen moderner Stadtentwicklung beleuchtet und dabei die Bedeutung der integrierten Stadtentwicklung hervorgehoben. Nun richten wir den Fokus das Konzept Smart Cities und den Einfluss auf Stadtentwicklung. Wie können digitale…
21. Dezember 2024

Stadtentwicklung: zentraler Bestandteil der Gesellschaft im Wandel

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Stadtentwicklung ist ein zentraler Bestandteil moderner Gesellschaften und entscheidend für die Lebensqualität der Bewohner. Sie umfasst die Planung, Gestaltung und Transformation urbaner Räume, um auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu reagieren. Dieser Artikel bietet…
17. Dezember 2024

Smart Cities und Smart Regions: wie Kommunen die digitale Zukunft gestalten

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die digitale Transformation als Chance für Städte und Regionen Die digitale Revolution verändert nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Strukturen unserer Städte und Regionen. Smart Cities sind hier das Schlagwort: Kommunen nutzen digitale Technologien,…
23. November 2024

Google Notebook: KI generierter Podcast

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Das Beste, was ich aus den letzten Jahren meiner beruflichen Entwicklung mitgenommen habe, ist ein gewachsenes Netzwerk aus spannenden und interessanten Kontakten sowie Freundschaften. Viele eint dabei das Thema Digitalisierung und Smart Cities auf verschiedenen…
19. Juli 2024

Smart City Entwicklung in Deutschland – Ein Überblick (Bitkom Smart City Index 2024)

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

In Deutschland arbeiten viele Städte daran, durch Digitalisierung und neue Technologien lebenswerter und nachhaltiger zu werden. Die sogenannte "Smart City" zielt darauf ab, durch intelligente Technologien städtische Infrastrukturen zu modernisieren und das Leben der Bürger…
21. Juni 2024

GreenIT-Strategie Schleswig-Holsteins: Nachhaltige Digitalisierung für die Zukunft

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die Digitalisierung verändert alle Bereiche unseres Lebens – von der Art, wie wir arbeiten, bis hin zur Art, wie wir kommunizieren. Mit dieser Entwicklung gehen jedoch auch steigende Umweltbelastungen durch CO₂-Emissionen und hohen Energieverbrauch einher.…
26. November 2023

IoT: Strategien, Usecases und Netzwerk in Schleswig-Holstein

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Seit sieben Jahren beschäftige ich mich in verschiedenen Funktionen im beruflichen Umfeld mit der Thematik Smart City und Smart Region. Angefangen bei der Bereitstellung von entsprechenden Produkten und Infrastruktur im Bereich IT-Services. Ebenso durch die…
23. Juli 2023

Buchempfehlung für die Sommerpause - #LinkedInNewsDACH

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

In der Sommerpause kann man auf LinkedIn persönliche Buchempfehlungen mit seinem Netzwerk teilen. Unter dem Hashtag #LinkedInNewsDACH wurde ich von Ben Hartlmaier nach meinem Tipp zum Thema "Tech und Digitalisierung" gefragt. Mein Buchtipp zum Thema…
06. Mai 2023

Wie wir in einer Smart City in Zukunft zusammen leben werden

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

In den letzten Jahren hat sich die Urbanisierung auf der ganzen Welt beschleunigt. Immer mehr Menschen ziehen in Städte, und es wird erwartet, dass im Jahr 2050 rund 68% der Weltbevölkerung in Städten leben werden.…
KI-Konsolidierungsphase - Vorsicht ist das Gebot der Stunde?

Am späten Samstagnachmittag des 12. September 2026 veröffentlicht Anthropic-Chef Dario Amodei einen Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier". Seine Botschaft: Die Branche müsse das Entwicklungstempo drosseln, damit die Sicherheitsarbeit mithalten kann. Binnen eines Tages springen ihm ausgerechnet Sam Altman und Elon Musk öffentlich bei, zwei Personen, die sich sonst regelmäßig öffentlich anfeinden. In meinem letzten Beitrag habe ich gezeigt, wie stark Gefahren-Rhetorik und Marktposition bei genau diesen drei Personen historisch zusammenhängen. Dieses Wochenende liefert dafür einen Fall in Echtzeit, und er wirft eine einfache Frage auf: Ist das wirklich neu gewonnene Vorsicht, oder sieht Vorsicht nur zufällig genauso aus wie eine erzwungene Verlangsamung?

Ein Wochenende, drei Erzfeinde, ein Konsens

Ganz überraschend kommt der Kurswechsel nicht. Erst 18 Tage zuvor, am 25. August 2026, hatte Bill Gates mit seinem Essay „The Turbulent AI Era Is Here" öffentlich seine eigene, jahrelang entspannte Haltung zum KI-bedingten Arbeitsmarktwandel aufgegeben, wie ich im letzten Beitrag nachgezeichnet habe. Das Amodei-Wochenende wirkt damit weniger wie ein singulärer Bruch als wie der vorläufige Höhepunkt einer Alarmwelle, die sich bereits seit Ende August aufbaut.

Amodei begründet seinen Kurswechsel mit zwei Ereignissen aus dem Spätsommer: einem Vorfall, bei dem mehr als 1.200 autonome KI-Agenten bei OpenAI wochenlang unbemerkt kommunizierten und sich schließlich Zugriff auf Systeme des Unternehmens HuggingFace verschafften, sowie der Beobachtung, dass Modelle zunehmend an der Entwicklung ihrer eigenen Nachfolger mitwirken („Recursive Self-Improvement"). Er verpflichtet Anthropic ab sofort auf unabhängige, extern besetzte Prüfteams mit vollem Zugang und Veröffentlichungsrecht ohne redaktionelle Kontrolle durch die eigene Firma. Musk kommentiert auf X knapp: „Dario is right." Altman zieht nach: eine „großartige Idee", er werde bei OpenAI dasselbe tun. Auch Google äußert sich zustimmend. Die Einigkeit dreier Personen, die sich sonst öffentlich in offenen Feindschaften über Milliarden-Deals ergehen, innerhalb von etwa 24 Stunden ist bemerkenswert.

Déjà-vu: das Muster aus dem letzten Beitrag

Im Vergleich der sieben Tech-Positionen hatte sich ein Muster gezeigt: Warnung und Beschleunigung schließen sich bei diesen Akteuren nicht aus, sie koexistieren strategisch. Musks Pause-Brief 2023 ging der xAI-Gründung vier Monate voraus, nicht umgekehrt. Altmans Regulierungsposition kippte exakt mit OpenAIs Marktposition: Noch im Mai 2025 hatte er bei seiner zweiten Senatsanhörung explizit vor Regulierung gewarnt, die die USA im Wettlauf mit China „ausbremsen" könnte. Vier Monate später steht derselbe Altman öffentlich hinter einem koordinierten Slowdown-Pakt dreier Konzerne, ohne dass er diesen Kurswechsel selbst einordnet. Wendet man den eigenen Befund aus dem letzten Beitrag konsequent an („Regulierungsposition folgt Marktmacht, nicht Prinzip"), ist genau das der Punkt: Zwischen Mai und September 2026 hat sich offenbar nicht Altmans Überzeugung geändert, sondern die Lage, in der Zurückhaltung für ihn plötzlich vorteilhafter ist als Tempo. Genau dieses Muster liegt auch hier nahe, nur diesmal nicht über ein Jahrzehnt verteilt, sondern innerhalb eines einzigen Wochenendes. Ein X-Post, der kurz nach dem Vorfall die Runde machte, bringt den Verdacht auf den Punkt: Wer Musk kennt, weiß, dass er selten einfach zustimmt, schon gar nicht Konkurrenten wie Altman und Amodei, mit denen er sich seit Jahren öffentlich streitet. Dass ausgerechnet er sich binnen Stunden anschließt, spricht eher für einen gemeinsamen externen Auslöser als für eine plötzliche gemeinsame Gewissenserleuchtung.

Auffällig ist zudem, wer bei diesem Konsens fehlt: Nvidia-Chef Jensen Huang, der Amodei im letzten Beitrag noch scharf widersprochen hatte, hat sich zu „We Must Pace the Frontier" öffentlich nicht direkt geäußert. Stattdessen sprach er auf Nvidias Quartalszahlenkonferenz Anfang September in reiner Beschleunigungssprache: KI habe ihren „Inflection Point" erreicht, ihre Tokens seien „produktiv und profitabel", man erlebe gerade ein „goldenes Zeitalter neuer KI-Labore und Start-ups". Keine Quelle stellt das explizit als Antwort auf Amodei dar, dafür liegen die beiden öffentlichen Auftritte zeitlich zu lose beieinander. Aber die Tonlage ist bezeichnend: Während drei CEOs mit direktem Modell-Geschäft öffentlich bremsen, rahmt der Chiphersteller, der an jeder Rechenleistung mitverdient, dieselben Wochen weiterhin als Wachstumsgeschichte.

Warum ausgerechnet jetzt? Drei strukturelle Probleme

Wer wie diese CEOs in den vergangenen Jahren wiederholt zweifelhafte Narrative verbreitet hat, um weiteres Investorenkapital einzusammeln, bekommt plötzliche ethische Bedenken selten geschenkt, vor allem dann nicht, wenn sie ihm gerade nützen. Der Nutzen dürfte in diesem Fall vor allem Zeit sein. Und Zeit wird gebraucht, weil die bestehende Technologie an mindestens drei Stellen an Grenzen stößt.

1. Model Collapse: Wenn KI von KI lernt

Je größer der Anteil KI-generierter Inhalte im Netz wird, desto häufiger landet dieser „Slop" ungefiltert in neuen Trainingsdatensätzen. Modelle, die überwiegend auf Ausgaben anderer Modelle trainiert werden, verlieren dabei systematisch die seltenen, aber wichtigen Randfälle ihrer Trainingsverteilung und nähern sich stattdessen dem statistischen Mittelwert an, ein Effekt, den die Forschung als Model Collapse bezeichnet. Reines Skalieren („mehr Daten, mehr Rechenleistung") liefert unter diesen Bedingungen absehbar geringere Fortschritte als in den Jahren zuvor.

2. Datenknappheit: Das Vor-2022-Privileg

Damit hängt das zweite Problem eng zusammen: Wirklich neues, nicht-synthetisches, hochwertiges Trainingsmaterial wird knapp. Wer schon vor dem breiten Aufkommen generativer KI 2022 große, saubere Datenbestände gesammelt hat, sitzt einer rechtswissenschaftlichen Einschätzung zufolge auf einem kaum einholbaren Vorteil gegenüber jedem, der jetzt erst nachzieht. Genau diese Ausgangslage begünstigt etablierte Anbieter wie Anthropic, OpenAI oder Google und benachteiligt neue Wettbewerber, unabhängig davon, wie viel Kapital diese aufbringen können.

3. Geld: Investoren wollen Rendite, keine steigenden Entwicklungskosten

Das dritte Problem ist am wenigsten technisch und am stärksten terminlich auffällig, und Amodei selbst hat es bereits vor diesem Wochenende angedeutet. Beim DealBook Summit im Dezember 2025 räumte er ein, die Branche bewege sich in einem „cone of uncertainty" bei den Infrastruktur-Investitionen, manche Wettbewerber würden dabei „YOLOing" betreiben, wie ich bereits im letzten Beitrag dokumentiert hatte. Neun Monate vor seinem eigenen Sicherheits-Essay war die Investitionsangst also längst da, nur richtete sie sich damals noch nach außen, auf die Konkurrenz, statt nach innen, auf die eigene Bilanz. Dazu passt die breitere Marktlage: Für 2026 wird bei den größten Tech-Konzernen nur noch ein Gewinnwachstum erwartet, das laut Analysten deutlich unter den Vorjahren liegt, während gleichzeitig Kapitalkosten steigen und der Nutzen der Investitionen vielerorts noch aussteht. Ausgerechnet in dieses Umfeld platzieren sich die Börsengänge der beiden führenden KI-Häuser: Altman verschiebt den OpenAI-Börsengang laut eigener Aussage „aus Sicherheitsgründen" auf 2027, während Anthropic seinen eigenen Börsengang für Ende 2026 bei einer Bewertung von bis zu 2,3 Billionen Dollar weiterhin anstrebt, wie unter anderem Axios berichtet. Eine öffentlich zelebrierte Sicherheitsoffensive kurz vor einem Milliarden-Listing ist zumindest bemerkenswert gutes Timing.

Die Gegenposition: Ist das wirklich Not?

Fairerweise gehört auch die Gegenrede dazu. Der Investor Chamath Palihapitiya wird deutlich: Amodeis Essay „macht den Fall dafür, Open Source zu stoppen und enorme technologische und wirtschaftliche Macht bei Anthropic zu konzentrieren." Der Analyse-Blog kingy.ai widerspricht dagegen der Not-Erzählung direkt: Anthropic sei mit einer Bewertung von damals 965 Milliarden Dollar kein Unternehmen, das eine Rettungsbremse braucht, wer eine finanzielle Notlage unterstelle, müsse das an Kosten, Finanzierung, Kunden oder Wettbewerbsleistung belegen, was bislang niemand getan habe. Gleichzeitig hält derselbe Text fest, dass Amodei aufrichtig vor gefährlicher KI warnen und trotzdem Regeln vorschlagen kann, die Anthropics eigene Position strukturell stärken. Beides schließt sich nicht aus, genau wie in meinem letzten Beitrag: Überzeugung und Marktinteresse lassen sich bei diesen Akteuren kaum sauber trennen.

Konsolidierung statt Vorsicht

Setzt man die drei strukturellen Probleme neben die Terminlage, ergibt sich ein stimmigeres Bild als die offizielle Sicherheits-Erzählung allein: Die Verlangsamung ist kein Akt reiner freiwilliger Vorsicht, sondern das Resultat einer erzwungenen Konsolidierungsphase, in der technologische Mauern (Model Collapse, Datenknappheit) und ökonomischer Realismus (Renditedruck, IPO-Timing) aufeinandertreffen. Externe Prüfteams, gemeinsame Sicherheitsstandards und eine öffentlich zelebrierte Einigkeit liefern dafür die passende Erzählung, weil sie sich politisch und medial besser verkauft als „unsere Skalierungskurve flacht gerade ab."

Fazit

Bezeichnend ist auch, wer bei alldem schweigt. Geoffrey Hinton, im letzten Beitrag die „Kontrollgruppe" ohne jedes kommerzielle Eigeninteresse, hat sich zu diesem konkreten Wochenende bislang nicht geäußert. Seine letzte öffentliche Wortmeldung im September 2026 war eine Unterstützung des „International AI Safety Report 2026", ein breiteres, unabhängiges Format, nicht der CEO-Konsens selbst. Die lauteste Sicherheitsbotschaft dieser Tage kam damit ausgerechnet von den drei Personen mit dem größten kommerziellen Eigeninteresse am Ergebnis, nicht von der Stimme, die im letzten Beitrag als verlässlichste identifiziert wurde.

Das ist kein Statement gegen KI. Es ist ein Statement für mehr Nüchternheit. Wenn drei Personen, die sich seit Jahren öffentlich bekämpfen, innerhalb eines Wochenendes zum selben Schluss kommen, kurz bevor zwei von ihnen an die Börse gehen und während die zugrunde liegende Technologie an handfeste technische und wirtschaftliche Grenzen stößt, dann lohnt sich der zweite Blick mehr als die Schlagzeile. Ob tatsächlich etwas Konkreteres hinter diesem Wochenende steckt, das öffentlich noch nicht bekannt ist, lässt sich von außen nicht abschließend klären. Wahrscheinlicher ist es aber nicht, dass drei zerstrittene Milliardäre spontan gemeinsam ihr Gewissen entdeckt haben.

Ausblick

Ob sich je zeigen wird, was in den Wochen vor diesem Essay tatsächlich innerhalb der drei Labore passiert ist, bleibt offen. Bis dahin gilt für Gefahren-Rhetorik aus der Branche dieselbe Lesart wie im letzten Beitrag: selten ein eigenständiges Warnsignal, meist Teil der Kommunikationsstrategie desselben Akteurs, der parallel skaliert, finanziert und an die Börse geht.