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Notizblog

Gesellschaft: Beiträge zu den Potenzialen neuer Technologien
und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Alltag.

14. September 2026

Sicherheitsdebatte oder Marktordnung? - Keine Krisen sondern "Regulierungsvorschläge"

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Der Chef von Anthropic bittet den Staat um eine Ausnahme vom Kartellrecht. Er schreibt das nicht in eine Fußnote, sondern in den Haupttext seines Essays „We Must Pace the Frontier", veröffentlicht am 12. September 2026.…
14. September 2026

Wenn drei Krisen zusammenkommen - Ausbrüche, Börsenangst und die offene KI-Konkurrenz

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Kaum 24 Stunden nach meinem letzten Beitrag zur „Konsolidierungsphase" zeigt sich am Montag, den 14. September 2026, wie viel an diesem Wochenende tatsächlich zusammengekommen ist. Asiatische Börsen reagieren auf Amodeis Slowdown-Aufruf mit teils zweistelligen Kursverlusten,…
13. September 2026

KI-Konsolidierungsphase - Vorsicht ist das Gebot der Stunde?

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Am späten Samstagnachmittag des 12. September 2026 veröffentlicht Anthropic-Chef Dario Amodei einen Essay mit dem Titel „We Must Pace the Frontier". Seine Botschaft: Die Branche müsse das Entwicklungstempo drosseln, damit die Sicherheitsarbeit mithalten kann. Binnen…
31. August 2026

Der KI-Diskurs der Tech-Größen - Sie warnen und beschleunigen zugleich

in Gesellschaft

von Moritz Conjé & Claude (Co-Autor)

Kaum eine Woche vergeht ohne eine neue Aussage einer prominenten Tech-Führungskraft zu den Risiken künstlicher Intelligenz, gefolgt, oft im selben Atemzug, von einer neuen Rekord-Investitionsrunde in genau diese Technologie. Dieses Muster begegnet mir auch beruflich…
29. August 2025

Michigan baut Drohnen-Testkorridor: M-Air angekündigt

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die zunehmende Verdichtung von Städten und die wachsende Nachfrage nach schnellen Transportlösungen führen dazu, dass auch der Luftraum stärker in den Fokus rückt. Drohnen und elektrische Luftfahrzeuge gelten als ein möglicher Baustein zukünftiger Mobilität –…
29. August 2025

Bloomberg City Data Alliance wächst weiter – Datenkompetenz als Fundament smarter Städte

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Städte im Wandel: Daten als Grundlage moderner Verwaltung Städte weltweit stehen vor zunehmenden Herausforderungen: wachsende Bevölkerungszahlen, Klimawandel, Ressourcenknappheit und steigende Anforderungen an öffentliche Dienstleistungen. Um diese Aufgaben zu bewältigen, wird die Fähigkeit, Daten systematisch zu…
02. Juni 2025

Arbeitszeitmodelle im Wandel – zwischen Flexibilisierung und Leistungsdruck

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

1. Einleitung: Mehr als nur Stunden – Arbeitszeit im Wandel Hand aufs Herz, kaum etwas beeinflusst unser Leben so direkt wie unsere Arbeitszeit. Es geht nicht nur darum, wie viel Geld am Ende des Monats…
28. Mai 2025

Smart Workplaces in Städten – Wie Digitalisierung weiterhin die Arbeitskultur verändert

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die Digitalisierung hat nicht nur unsere Städte, sondern auch unsere Arbeitskultur grundlegend verändert. Mit dem Aufkommen von Smart Workplaces verschmelzen physische und digitale Arbeitswelten, was neue Herausforderungen und Chancen für Unternehmen und Mitarbeitende mit sich…
28. Mai 2025

Bürgerbeteiligung neu gedacht – Das Projekt un:box cologne

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Warum Bürgerbeteiligung heute neu gedacht werden muss Viele Kommunen in Deutschland kennen die Herausforderung: Bürgerbeteiligung wird oftmals als langwieriger, bürokratischer Prozess empfunden. Dabei ist eine effektive Einbindung der Bürger entscheidend für die Akzeptanz und den…
24. Mai 2025

Homo Creator: Der schöpferische Mensch im Spiegel der Technik – Ein persönlicher Blick

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Einleitung: Technik als Ausdruck unseres Selbst Technik ist mehr als nur ein Werkzeug – sie ist der Spiegel unserer eigenen Kreativität und unseres Verständnisses von der Welt. Als „Homo Creator“ begreifen wir den Menschen als…
17. Mai 2025

Kommunalbefragung 2025 – Ergebnisse und Perspektiven

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Kommunalbefragung 2025 – Ergebnisse und Perspektiven Was deutsche Städte wirklich brauchen – Ergebnisse und Perspektiven der Kommunalbefragung 2025 Bis zum 11. April 2025 hatten deutsche Kommunen die Gelegenheit, ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Wünsche im Rahmen…
13. Mai 2025

„Smart City ist digitale Notwehr“ – Rückblick auf den 6. Kongress der Modellprojekte Smart Cities…

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Warum dieser Kongress zählt Am 6. und 7. Mai 2025 trafen sich gut 200 Vertreter-innen aus über 70 deutschen Kommunen im Munich Urban Colab, um darüber zu diskutieren, wie sich die Ergebnisse des Bundes-Förderprogramms „Modellprojekte…
21. Dezember 2024

Smart Cities und Stadtentwicklung: Potenziale von Datahubs und Connected Urban Twins

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die bisherigen Beiträge haben die Grundlagen der Stadtentwicklung sowie die Rolle von Smart Cities im digitalen Zeitalter beleuchtet. Aufbauend auf diesen Konzepten widmen wir uns nun den technischen und strukturellen Elementen, die als Kern der…
21. Dezember 2024

Smart Cities und Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Im vorherigen Beitrag haben wir die Grundlagen moderner Stadtentwicklung beleuchtet und dabei die Bedeutung der integrierten Stadtentwicklung hervorgehoben. Nun richten wir den Fokus das Konzept Smart Cities und den Einfluss auf Stadtentwicklung. Wie können digitale…
21. Dezember 2024

Stadtentwicklung: zentraler Bestandteil der Gesellschaft im Wandel

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Stadtentwicklung ist ein zentraler Bestandteil moderner Gesellschaften und entscheidend für die Lebensqualität der Bewohner. Sie umfasst die Planung, Gestaltung und Transformation urbaner Räume, um auf gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen zu reagieren. Dieser Artikel bietet…
17. Dezember 2024

Smart Cities und Smart Regions: wie Kommunen die digitale Zukunft gestalten

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die digitale Transformation als Chance für Städte und Regionen Die digitale Revolution verändert nicht nur unseren Alltag, sondern auch die Strukturen unserer Städte und Regionen. Smart Cities sind hier das Schlagwort: Kommunen nutzen digitale Technologien,…
23. November 2024

Google Notebook: KI generierter Podcast

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Das Beste, was ich aus den letzten Jahren meiner beruflichen Entwicklung mitgenommen habe, ist ein gewachsenes Netzwerk aus spannenden und interessanten Kontakten sowie Freundschaften. Viele eint dabei das Thema Digitalisierung und Smart Cities auf verschiedenen…
19. Juli 2024

Smart City Entwicklung in Deutschland – Ein Überblick (Bitkom Smart City Index 2024)

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

In Deutschland arbeiten viele Städte daran, durch Digitalisierung und neue Technologien lebenswerter und nachhaltiger zu werden. Die sogenannte "Smart City" zielt darauf ab, durch intelligente Technologien städtische Infrastrukturen zu modernisieren und das Leben der Bürger…
21. Juni 2024

GreenIT-Strategie Schleswig-Holsteins: Nachhaltige Digitalisierung für die Zukunft

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Die Digitalisierung verändert alle Bereiche unseres Lebens – von der Art, wie wir arbeiten, bis hin zur Art, wie wir kommunizieren. Mit dieser Entwicklung gehen jedoch auch steigende Umweltbelastungen durch CO₂-Emissionen und hohen Energieverbrauch einher.…
26. November 2023

IoT: Strategien, Usecases und Netzwerk in Schleswig-Holstein

in Gesellschaft

von Moritz Conjé

Seit sieben Jahren beschäftige ich mich in verschiedenen Funktionen im beruflichen Umfeld mit der Thematik Smart City und Smart Region. Angefangen bei der Bereitstellung von entsprechenden Produkten und Infrastruktur im Bereich IT-Services. Ebenso durch die…
Sicherheitsdebatte oder Marktordnung? - Keine Krisen sondern "Regulierungsvorschläge"

Der Chef von Anthropic bittet den Staat um eine Ausnahme vom Kartellrecht. Er schreibt das nicht in eine Fußnote, sondern in den Haupttext seines Essays „We Must Pace the Frontier", veröffentlicht am 12. September 2026. In meinem ersten Beitrag zu diesem Thema ging es um das Muster hinter der Warn-Rhetorik der Tech-CEOs, im zweiten um die strukturellen Gründe für den Zeitpunkt, im dritten um die Vorfälle und Marktreaktionen der Tage danach. Dieser Beitrag stellt eine andere Frage: Was genau schlägt der Essay als Mechanismus vor, und wer bekäme damit künftig die Kontrolle über das Tempo der Branche?

Drei Textstellen, ein Muster

Liest man den Essay nicht als Stimmungsbild, sondern als Vorschlag mit konkreten Bausteinen, fallen drei Stellen besonders auf.

Erstens die Absprache zwischen den Laboren selbst. Amodei schreibt, die US-Regierung müsse solche Gespräche nicht führen, aber ermöglichen: „they don't need to participate, but do need to issue a narrow waiver for certain kinds of safety conversations." Wer im Einzelfall entscheidet, was eine Sicherheitskonversation ist und was eine Marktabsprache, bleibt im Text offen. Die größten Unternehmen der Branche bitten damit um die Erlaubnis, sich untereinander über das eigene Entwicklungstempo abzustimmen, mit staatlichem Segen. Dass diese Bitte überhaupt nötig ist, bezweifelt ausgerechnet eine Stimme mit direkter Erfahrung in der Behörde, die sie erteilen müsste: Alvaro Bedoya, bis vor Kurzem selbst Kommissar der US-Wettbewerbsbehörde FTC, verweist auf eine gemeinsame Grundsatzerklärung von Justizministerium und FTC vom 10. April 2014, wonach Kartellrecht „kein Hindernis für legitimen Austausch zu Cybersicherheit" ist, und zieht daraus den Schluss: „the companies have, right now and yesterday, the ability to coordinate to stop any safety and health risks. Antitrust is no barrier to that." Legal sei nur die Sicherheits-Koordination selbst, nicht eine Abstimmung, die günstigere Konkurrenz, etwa offene Modelle, gezielt vom Markt ausschließt, so Bedoya laut BeInCrypto. Sein Fazit zu den Motiven hinter der Bitte fällt entsprechend knapp aus: Die Sorge einzelner Mitarbeiter mag ernst gemeint sein, den Vorstoß der CEOs für eine breite Kartellrechts-Ausnahme müsse man dagegen angesichts der wirtschaftlichen Lage der Branche und der Konkurrenz durch offene Modelle mit „tiefer Skepsis" betrachten.

Zweitens die Zugbrücke über Fähigkeits-Checkpoints. Amodei schlägt vor: „if models have capability X, then they need to be accompanied by certifications of alignment properties Y and Z", ergänzt um eine Steuerung über die Zutaten selbst, „training compute, the nature of training runs, or internal use of AI to improve AI." Im Essay ist das als Möglichkeit formuliert, keine feste Forderung. Die Richtung ist trotzdem klar: Jede Schwelle, die erst ab einem bestimmten Compute-Niveau passiert werden darf, ist für die Besitzer der größten Rechenzentren eine Formalität und für alle anderen eine Mauer. Offene Modelle kommen im gesamten Text kein einziges Mal vor. Wie unfertig dieser Baustein bleibt, zeigt die Kritik des Branchenmediums StartupHub.ai: Der Essay lasse „the speed limit blank", ohne messbare Schwelle oder Konsequenz bei Überschreitung. Der KI-Analyst Zvi Mowshowitz geht in seiner ausführlichen Einordnung noch einen Schritt weiter und stellt die Compute-basierte Steuerung selbst infrage: Fähigkeitsbasierte Schwellen, die an konkrete Bedrohungsszenarien anknüpfen, hält er für vorzugswürdig, warnt aber gleichzeitig, dass am Ende beide Ansätze am selben Problem scheitern können, wenn „the evals won't meaningfully measure what you want."

Drittens die Prüfer. Anthropic verpflichtet sich, externen Evaluatoren dauerhaften, „mitarbeiterähnlichen" Zugang zu geben, mit Veröffentlichungsrecht ohne redaktionelle Kontrolle: „the right to publish key findings about risk levels, incidents, practices, and the access they received or didn't receive […] without editorial control by Anthropic." Das ist mehr, als die Branche bisher zugelassen hat, und sollte nicht kleingeredet werden. Direkt daneben steht aber die Einschränkung: „We will have the narrow ability to redact security-sensitive, legally privileged, commercially sensitive, or third-party confidential information." Wer die Prüfer ins Haus holt und selbst definiert, was „commercially sensitive" bedeutet, entscheidet auch mit, was am Ende öffentlich wird. Zvi Mowshowitz hält gerade die Formulierung „we can't redact findings just because they are unfavorable" für die eigentlich wirksame Klausel, warnt aber vor „cherry picking" bei den Laboren, „whose hearts aren't in it." Noch grundsätzlicher wird der frühere Stability-AI-Gründer Emad Mostaque: Selbst der Vorstand von OpenAI sei kein ausreichend mächtiger Prüfer gewesen, um Sam Altman zu stoppen, schreibt er auf X, „even OpenAI's board weren't powerful enough evaluators" und plädiert stattdessen für eine Prüfung der Modelle selbst statt ihrer Betreiber.

Warum das juristisch mehr ist als eine Formulierungsfrage

Dass eine Gruppe von Wettbewerbern sich gegenseitig auf ein gemeinsames Tempo verständigt, ist im Kartellrecht kein Randproblem, sondern der Lehrbuchfall einer Kapazitätsbeschränkung. Die wettbewerbsrechtliche Fachseite Truth on the Market ordnet Amodeis Vorschlag entsprechend als „crisis cartel" ein und verweist auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs in der Rechtssache Irish Beef: Eine freiwillige, 25-prozentige Kapazitätskürzung unter Wettbewerbern in der Fleischindustrie wurde dort als Wettbewerbsbeschränkung „by object" gewertet, unabhängig von den guten Absichten dahinter. Der Artikel benennt außerdem das eigentliche Kontrollproblem: Aufsichtsbehörden können relativ leicht feststellen, ob ein Trainingslauf tatsächlich verzögert wurde. Ob die gewonnene Zeit wirklich für Interpretierbarkeits- und Sicherheitsarbeit genutzt wurde, lässt sich von außen kaum überprüfen. Genau diese Lücke zwischen einer verifizierbaren Beschränkung und einer kaum überprüfbaren Gegenleistung macht die Unterscheidung zwischen „Sicherheitsgespräch" und „Marktabsprache" in der Praxis schwer haltbar, nicht nur als rhetorischer Einwand, sondern als konkretes juristisches Problem, siehe Truth on the Market.

Wer es offen ausspricht

Der deutlichste Widerspruch kommt nicht von außerhalb der Branche, sondern aus ihrer eigenen politischen Nachbarschaft. David Sacks, in der Trump-Administration für KI- und Krypto-Politik zuständig, wird von mehreren Quellen mit derselben Formulierung zitiert: „Stop pretending you need to suspend antitrust law in order to create a cartel." An anderer Stelle stellt er die Unabhängigkeit der vorgesehenen Prüforganisation infrage: „Stop pretending METR is independent when it is intertwined with Anthropic's investors and staff", laut CDM und Tech Policy Press. Sein weiteres Argument, Sicherheitsstandards, die von den Marktführern selbst formuliert werden, belasten kleinere Start-ups strukturell stärker als etablierte Anbieter, deckt sich mit der Beobachtung aus meinem zweiten Beitrag: Wer bereits über die größten Datenbestände und Rechenkapazitäten verfügt, verliert durch zusätzliche Auflagen am wenigsten. The Register fasst die Kritik in der Schlagzeile selbst zusammen und rahmt den gesamten Vorschlag als das, wofür der Fachbegriff eigentlich steht, wenn eine Branche ihre eigene Aufsicht mitgestaltet: „regulatory capture", siehe The Register.

Die Landkarte, auf der Europa fehlt

Der Essay benennt seine Reichweite klar: „The most effective method of pacing is via regulation that targets all US frontier AI companies." Gegen China sollen bestehende Chip-Exportkontrollen und ein schärferes Vorgehen gegen Modell-Destillation helfen, mit dem erklärten Ziel, Amerikas Vorsprung im Zeitfenster „3–5 years, the window when AI becomes geopolitically most important" auszubauen. Europa kommt im gesamten Text kein einziges Mal substanziell vor, weder als Akteur noch als Adressat. Bemerkenswert ist das vor allem im Vergleich zur bestehenden Rechtslage: Der europäische AI Act reguliert General-Purpose-Modelle mit systemischem Risiko bereits seit August 2025 verbindlich, in Teilen genau in die Richtung, die Amodei erst als freiwillige Selbstverpflichtung vorschlägt, wie unter anderem TheNextWeb festhält. Ein Kontinent, der beim eigentlichen Thema regulatorisch bereits vorangegangen ist, taucht in einem Plan, der genau dieses Thema neu ordnen will, nicht einmal als Randnotiz auf.

Kein Vorwurf, ein Strukturbefund

Ich unterstelle Amodei damit keine Absicht. Man muss keine unterstellen, um die Struktur zu beschreiben. Ein Tempolimit, das die Marktführer selbst entwerfen, dessen Prüfer sie selbst auswählen und für dessen Aushandlung sie vom Kartellrecht befreit werden, ist kein Sicherheitskonzept. Es ist eine Marktordnung. Das passt zum Befund aus meinem ersten Beitrag dieser Serie: Regulierungsposition folgt bei diesen Akteuren eher der eigenen Marktmacht als einem festen Prinzip, hier nur nicht über ein Jahrzehnt verteilt, sondern in einem einzigen Dokument gebündelt. Auch die Zustimmung von Demis Hassabis, die ich im dritten Beitrag eingeordnet hatte, ändert daran wenig: Sein Verweis auf DeepMinds eigenen, bereits vorher veröffentlichten Vorschlag für eine branchenweite Standard-Institution zeigt vor allem, dass auch die Alternative zu Amodeis Modell von einem einzelnen Labor mitgestaltet würde. Der Tisch wechselt, nicht das Prinzip, wer daran sitzt.

Ausblick

Offen bleibt vor allem, wer künftig überhaupt am Tisch sitzt, an dem diese Marktordnung verhandelt wird. Verhandelt in Washington, über eine Infrastruktur, von der auch Europa abhängt, kommt der Kontinent in Amodeis Essay nicht vor, obwohl er beim zugrunde liegenden Thema regulatorisch bereits weiter ist als der Vorschlag selbst. Genau diese Frage stand auch unter einem LinkedIn-Beitrag von Dominik Mimra zu diesem Essay, unter dem kommentiert wurde: Welche Rolle kann und sollte Europa hier künftig spielen, wenn die eigentliche Marktordnung längst andernorts verhandelt wird? Eine Antwort darauf liefert dieser Beitrag bewusst nicht, sie bleibt der eigentliche nächste Schritt.