Seit einiger Zeit betreibe ich zu Hause ein eigenes kleines Rechenzentrum: mehrere Mini-PCs, ein Netzwerkspeicher und darauf verteilt eine wachsende Zahl an Diensten, die ich selbst einrichte, pflege und weiterentwickle. Diesen Beitrag verstehe ich als Auftakt einer Serie. Bevor ich in kommenden Artikeln auf einzelne Projekte eingehe, will ich hier erst einmal den Überblick schaffen: Wie sieht mein Homelab aktuell aus, welche Hardware steckt dahinter, und welche Dienste laufen bereits produktiv.
Wie ich zu diesem Thema gekommen bin
Der Ausgangspunkt war ein einfacher Wunsch: Lösungen selbst hosten, statt mich auf fertige Cloud-Angebote zu verlassen. Eigene Infrastruktur bedeutet, dass ich entscheide, wo meine Daten liegen, wie ein Dienst konfiguriert ist und wann ich ihn erweitere. Dieser Gedanke der digitalen Unabhängigkeit hat mich schnell gepackt, und aus einem einzelnen Mini-PC ist inzwischen eine kleine, aber ernstzunehmende Infrastruktur geworden.
Was mich am Thema besonders reizt, ist die Kombination aus Planung und Umsetzung. Jeder neue Dienst beginnt mit einer Recherche- und Entscheidungsphase (Welche Software passt? Welche Hardware brauche ich? Wie hängt das mit bestehenden Diensten zusammen?), gefolgt von der eigentlichen Einrichtung, die nicht immer reibungslos verläuft. Genau in dieser Mischung aus Planungsaufwand und technischer Handarbeit liegt für mich der Reiz. Es ist ein Hobby, bei dem ich etwas Produktives erschaffe, das mir im Alltag tatsächlich einen Mehrwert bringt, statt nur ein Selbstzweck zu sein.
Nach einer mitunter herausfordernden Einrichtung stellt sich regelmäßig ein Erfolgsgefühl ein, wenn ein Dienst zuverlässig läuft und sich in meinen Alltag einfügt. Besonders interessant wird es, wenn einzelne Dienste beginnen, zusammenzuspielen. Ein Netzwerkspeicher, der von mehreren Anwendungen gleichzeitig genutzt wird, oder ein zentraler Zugriffspunkt, über den mehrere Dienste von außen erreichbar sind, sind Beispiele für solche Synergien, die den Gesamtnutzen der Infrastruktur über die Summe der Einzeldienste hinaus steigern.
Die Hardware: drei Mini-PCs und ein Netzwerkspeicher
Das Fundament meines Homelabs bilden aktuell drei Mini-PCs (NUCs), die unterschiedliche Rollen übernehmen:
- Hauptserver (ASUS NUC 15 Pro): Das leistungsstärkste Gerät und Kern der Infrastruktur. Darauf läuft Proxmox VE als Hypervisor, also die Software-Schicht, die es erlaubt, mehrere virtuelle Maschinen und Container gleichzeitig auf einer einzigen physischen Maschine zu betreiben. Fast alle produktiven Dienste sind hier als eigene VM oder als Container (LXC) organisiert.
- Zweiter NUC (Intel NUCi5, meine "erste Maschine"): Der Einstieg in dieses Hobby, derzeit "Out-of-Service", doch bereits für neue Aufgaben verplant.
- Dritter Mini-PC (GMKtec NucBox G11): Ein flexibel einsetzbares Gerät, das aktuell die Aufgaben des Intel NUCi5 zugewiesen bekommen hat.
Ergänzt wird das Ganze durch TrueNAS, meinen zentralen Netzwerkspeicher. Er läuft als eigene virtuelle Maschine auf dem Hauptserver und stellt über das Netzwerk einen Datei-Share bereit, auf den mehrere Dienste zugreifen. Das ist ein gutes Beispiel für die oben erwähnten Synergien: Statt Daten mehrfach vorzuhalten, greifen unterschiedliche Anwendungen auf einen gemeinsamen Speicherort zu.
Drei Geräte statt eines einzigen leistungsstarken Rechners, das war keine Entscheidung am Reißbrett, sondern das Ergebnis eines organischen Wachstums. Jeder Mini-PC kam zu einem Zeitpunkt dazu, an dem der vorhandene Bestand an seine Grenzen stieß oder ein neues Projekt eine eigene, isolierte Umgebung sinnvoll erscheinen ließ. So bleibt jedes Gerät überschaubar wartbar, und ein Ausfall oder Experiment auf einer Maschine gefährdet nicht automatisch die übrigen Dienste.
Welche Dienste wo laufen
Auf dem Hauptserver (Asus 15 Pro) ist inzwischen ein ganzes Bündel an Diensten zusammengekommen. Über Dockge, eine Oberfläche zur Verwaltung von Docker-Containern, betreibe ich unter anderem:
- Plex als Mediathek für Filme und Serien
- PegaProx, ein Dashboard zur Verwaltung mehrerer Proxmox-Cluster im Überblick
- Nginx Proxy Manager als zentralen Reverse Proxy, über den alle nach außen erreichbaren Dienste laufen
- Homarr als Startseite/Dashboard für alle Anwendungen
- Portainer zur zusätzlichen Container-Verwaltung
- RustDesk für den Fernzugriff
Direkt daneben laufen als eigenständige virtuelle Maschinen oder Container:
- Paperless-ngx zur digitalen Dokumentenverwaltung
- Apache Superset für ein selbst gebautes Finanz-Dashboard
- Vaultwarden als self-hosted Passwortmanager
- WireGuard als VPN-Lösung, mit der ich von unterwegs ins heimische Netzwerk gelange
Ein weiterer Container betreibt zudem einen Remote-Zugang, über den ich Programmier- und Automatisierungsaufgaben direkt im Homelab ausführen kann.
Der zweite NUC (Intel Core i5), meine "erste Maschine", war zwischenzeitlich dem Thema Smart Home gewidmet: Hier lief Home Assistant - siehe diesen Beitrag - das Herzstück meiner Haussteuerung, über das ich Sensoren, Automatisierungen und smarte Geräte zentral verwalte. Mittlerweile ist diese Anwendung jedoch auf das dritte Geräte umgezogen und die Maschine ist als ProxMox-Backup-Server eingeplant.
Der dritte Mini-PC, der GMKtec NucBox G11, hat in der bisherigen Geschichte meines Homelabs schon mehrere Rollen übernommen und agiert derzeit als neue Heimat für mein Home Assistent System. Auf einer weiteren Dockge Instanz betreibe ich eine InfluxDB und Grafana, über die ich die Daten der Sensoren speichere und für Auswertungen verwende.
Ein Blick nach vorn
Dieser Überblick ist bewusst allgemein gehalten. In den kommenden Beiträgen dieser Serie werde ich einzelne Projekte im Detail vorstellen, unter anderem:
- Nutzung des TrueNAS-Systems
- Aufbau und Härtung des eigenen Passwortmanagers mit Vaultwarden
- Details zum Auf- und Ausbau meiner Haussteuerung rund um Home Assistant
- Der zentrale Zugriffspunkt über Nginx Proxy Manager und WireGuard
Die Einrichtung des Finanz-Dashboards mit Apache Superset habe ich bereits hier erläutert.
Wo es passt, werde ich an dieser Stelle auf weitere Einzelartikel verlinken, sobald sie veröffentlicht sind.
Fazit
Aus einem einzelnen Mini-PC ist über die Zeit eine kleine, aber vielseitige Infrastruktur mit drei Geräten und einem guten Dutzend produktiver Dienste geworden. Was als technische Spielerei begann, hat sich zu einem festen Hobby entwickelt, das mir echten Mehrwert im Alltag bringt, sei es bei der Dokumentenverwaltung, der Haussteuerung oder dem Überblick über die eigenen Finanzen. Genau dieser Doppelcharakter, technisches Interesse auf der einen und spürbarer Alltagsnutzen auf der anderen Seite, macht für mich den Reiz aus. In den nächsten Beiträgen dieser Serie gehe ich tiefer in einzelne Projekte und Umsetzungen hinein.